Die aus Reformation und katholischer Kirchenmusik-Reform erwachsene Anforderung, man müsse „Text und Sinn verstehen!“, richtet sich gleichermaßen an Dichter, Übersetzer, Komponisten und Interpreten:
In den reformierten Kirchen bedeutet dies primär, Text in der Sprache der Menschen zu verwenden.
In der katholischen Kirche wurde der Schwerpunkt lange darauf gelegt, dass die Musik so zu komponieren sei, dass man den (lateinischen) Text beim Zuhören klar heraushören kann.
In beiden Konfessionen war es aber auch bald erwünscht, dass Musik den Text vertont, also ein formal-inhaltlicher Zusammenhang zwischen Ton, Tonfolge und Text entsteht.
Damit entstand eine neue Art der Aufführung von Musik: Nicht mehr bloße Wiedergabe, sondern Interpretation, also Gewichtung auch des Textes und seiner Bedeutung, waren nun Aufgaben – und Chancen – der Interpreten.
Den theoretischen und theologischen Unterbau liefert uns der Vortrag „Sinn und Klang verstehen“ von Prof. Bernhard Leube; die praktische Umsetzung erfahren wir in den Ensemble- und den gemeinsamen Proben und Aufführungen.
„Crucifixus est ...“: Wie viel Emotion darf, soll oder muss man in einer lateinischen Mess-Vertonung ab und nach Palestrina sängerisch umsetzen?
Gibt es in Musik gegossene Emotionalität in früherer Musik und wie geht man mit ihr um?
„Tonmalerei“ in Renaissance, Barock und Romantik
Sind Gregorianik und frühes Mittelalter frei von solcher Gefühlsduselei?
Geistliche Musik ab dem „Neuen Geistlichen Lied“: Primitiv oder nur leicht zugänglich? Also: Singen oder nicht?
Choralsätze zu Strophenliedern: Wie weit darf oder soll man die Interpretation je Strophe abweichend dem textlichen Inhalts anpassen?
Gerne gehen wir auch hier, soweit zeitlich möglich, auch auf das ein, was Ihnen und Ihrem Ensemble wichtig ist.